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Berlin 23:27 - Tehran 00:57 - Los Angeles 14:27 Montag, 01.12.2008
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SCHACH
Eine indische oder iranische Erfindung?
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(Frei übersetzt aus dem Englischen von Sherry)

Entgegen der Annahme der zwei Schach-Historiker Murray und Van Der Linde, ist das Schachspiel nicht im indischen Sub-Kontinent entstanden, sondern im Iran. Die Erläuterungen und Indizien dafür werden im folgenden Text aufgelistet.


Schach in der iranischen und indischen Literatur

Der erste, eindeutige Hinweis auf „Schach“ in Indien findet sich in den Sanskrit-Schriften im "Harschascharita" des Hof-Poeten Bana, die zwischen 625 und 640 n. Chr. geschrieben worden sind. Dem gegenübergestellt haben prä-islamische Dokumente Schach fest und lückenlos mit der letzten Periode der Sassanidischen Herrschaft Irans verbunden (6.-7. Jahrhundert).

Das "Karnamak-ī Ardeshīr-ī Pāpakān" (The Book of Deeds of Ardeshir-e Pāpakān), eine epische Abhandlung, bei der es sich um den Gründer der sassanidischen Dynastie handelt, erwähnt das Spiel "Chatrang" als einer der Leistungen und kulturellen Errungenschaften des jungen Prinzen Ardeshir. Aus dieser Abhandlung lässt sich eindeutig schließen, dass das Schachspiel (Chatrang) in jener Periode (vermutlich im 6. oder Anfang des 7. Jahrhunderts) schon längst populär gewesen ist. Eindeutig hierauf zu beziehen ist auch ein kürzeres Gedicht auf Pahlavi, das in ungefähr der selben Periode entstanden ist und den Titel "Chatrang-Namag" hat. In diesem Gedicht wird über das Schachspiel im Iran berichtet. Solche eindeutigen Hinweise in der frühen, indischen Literatur finden sich nicht, was eindeutig dafür spricht, dass das Schachspiel aus dem Iran kommt.

Auch der berühmte Schriftsteller und Poet Ferdowsi schrieb im 10. Jahrhundert über das Schachspiel. Seine Quellen sind standfest und bilden eine kontinuierliche und ununterbrochene Kette von Zeugen, die zurück bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts führen. Ferdowsi erklärt, dass das Schachspiel von "Hind" kommt. Jedoch weiß man aus entsprechenden, historischen Quellen, dass die Bezeichnung "Hind" nicht üblich war für das Indien vor dem 11. Jahrhundert, sondern sich erst nachher etablierte. In diesem Zusammenhang und zu jener Zeit beschrieb "Hind" die ost-iranischen Provinzen des iranischen Reiches - einschließlich Baluchistan; während andere Historiker die Grenzen des "Hind" sogar bis nach Khuzestan definieren.


Ausgrabungen früher Schachfigurenimg

Die Anwesenheit (Ausgrabungen) von Schachfiguren im Iran steht der Abwesenheit dieser in Indien gegenüber. Im frühen Indien wurden keine Schachfiguren gefunden. Nur eine im 10. Jahrhundert indirekte Erwähnung des Schachspiels von Al Mas'udi, der schrieb: "Der Gebrauch von Elfenbein in Indien bezieht sich hauptsächlich auf Schachfiguren und Backgammonsteine." Einige Experten sind der Meinung, dass alte, indische Schachfiguren eines Tages entdeckt werden könnten - aber bis jetzt blieb es bei dieser Spekulation.

Tatsache ist, dass die drei ältesten Schachfiguren-Sets, die gefunden worden sind, sich in den iranischen Gebieten befanden und nicht in den Indischen. Die wichtigsten Schachfiguren sind die "Afrasiab-Figuren". Diese wurden 1977 in Afrasiab, in der Nähe von Samarqand, entdeckt und wurden von den russischen Entdeckern schon auf das 7. Jahrhundert datiert. Westliche (Schach)-Historiker und Archäologen gehen bezüglich der Afrasiab-Figuren letztendlich vom genauen Jahr 761 n. Chr. aus, da eine mit ausgegrabene Münze in der selben Erdschicht die selbe Datierung aufwies.

Diese sieben Schachfiguren aus Elfenbein, deren Herkunft auf dem ersten Blick anzweifelbar erscheint, da man bei Darstellungen von "Idolen" und / oder Gottheiten nie sichergehen kann, sind dennoch eindeutig als Iranische zu erkennen - selbst, wenn das Gebiet seit 712 unter islamischer Herrschaft gestanden hat. Die nächste Gruppe der Schachfiguren (bestehend aus drei Schachfiguren) kommt aus dem Gebiet des Groß-Irans. Diese so genannten "Ferghana"-Figuren integrieren ein "Rukh" (Rook) in Form eines riesigen Vogels mit ein. (Zur Bedeutung des „Rukhs“ in der iranischen Mythologie später mehr) Die Datierung dieser Figuren unterscheidet sich kaum von den Figuren der Afrasiab-Gruppe.

Auch in Nishapur wurde ein Elfenbein-Set gefunden, das zu einer späteren Zeitepoche zurück zu führen ist und sich auf das 9. oder 10. Jahrhundert zurück datieren lässt. Diese Figuren stellen keine "Idole" mehr dar und sind in abstrakten Mustern geschnitten, die als typisch arabisch-islamischer Stil charakterisiert werden können.


Etymologische Beweise

Verschiedene Bezeichnungen wurden früher wie heute für schach-ähnliche Spiele verwendet. "Chaturanga" z.B. ist ein schach-ähnliches Spiel, das jedoch auf einem 8x8 Brett und andersartigen Figuren und Regeln gespielt wird - anders als beim modernen 12x12 Schachbrett. Man ging davon aus, dass das ein Proto-Typ des Schachs indischen Ursprungs ist.

Das Wort "Chaturanga" heißt "in vier Teile" oder "Armee". Das Wort gibt die typischen vier Komponenten einer vedischen Armee wieder, die in den Figuren des Spieles manifestiert sind. Ricardo Calvo sagt, dass der erste, eindeutige Bezug auf das Spiel "Chaturanga" - wie schon oben erwähnt - in den Schriften des "Harschascharita" vom Hof-Poeten Bina zurück zu führen ist, der es zwischen 625 und 640 n. Chr. geschrieben hat. Die frühen Erwähnungen in der Literatur vom Wort "Chaturanga" und seinem linguistischen Ursprung in der antiken Sprache Sanskrit wurden als Beweis für den indischen Ursprung des Schachs gedeutet. Murray ging davon aus, dass das Pahlavi-Wort "Chatrang", das äquivalent für das heutige Schachspiel angewandt worden ist, vom Sanskrit-Wort "Chaturanga" abgeleitet worden ist.

imgDoch eines der schwerwiegendsten etymologischen Beweise entdeckt man in der Terminologie für Schach-Figuren, die aus dem Persischen abzuleiten ist. So wie z.B. "Rook" ("Turm"). "Rook" ist eine westliche Ableitung des Wortes "Rukh". Dieses Wort ist ein Ausdruck für den mythischen, iranischen Vogel "Sen-Mury" (Simurgh). In der avestischen, iranischen Literatur wird "Sen-Mury" als "Homa" und im arabischen als "Rukh" identifiziert. "Simurgh" oder "Rukh" ist als ein sehr großes, vogelähnliches Fabelwesen mit Flügeln abgebildet worden, das so stark war, dass es ein Kamel oder einen Elefanten tragen konnte. Die Funktion der "Rook"-Figur im Schachspiel und seine Ikonographie in der iranischen Welt sind ziemlich bedeutend: Der Vogel, von dem die Iraner glaubten, dass er Fruchtbarkeit in das Land bringt und die Vereinigung zwischen Erde und Himmel vollzieht, gibt es als ähnliches Äquivalent in seiner "Funktion" in Indien als "Haathi" - was aber soviel heißt wie "Elefant". Wie man sieht, lässt sich hier kein Bezug zwischen "Haathi" und der Figur "Rukh" im Schachspiel finden, da die Figur „Elefant“ eine völlig andere Funktion hat als „Rukh“.

Ein anderer Hinweis ist die Nomenklatur der Figuren, die sich beharrlich in verschiedene Arten von Tieren manifestiert anstatt auf die Komponenten einer Armee: Im "Grande Acedrex" von König Alfonso von Castilla (1283) spielt man mit Figuren in Form von Löwen, Krokodile, Giraffen usw. auf ein Brett von 12x12 Felder mit besonderen Sprung-Zügen. Die Erfindung dieses Spieles geht zurück auf das klassische Schachspiel der früheren indischen Geschichte. Diese Spiele sind mit der selben, entfernten Periode in Indien verbunden wie das normale Schachspiel und sind in jedem auf Indien bezogenen Kontext atypisch. (De Gruyter)

Einige argumentieren, dass Schach indischen Ursprungs sein muss, weil eines der Figuren "Elefant" heißt. Doch wichtig zu erwähnen ist, dass Elefanten überhaupt nicht als exklusiv indischen Ursprungs gesehen werden können (s. Sir William Gowers, "African Elephants and Ancient Authors", African Affairs, 47 (1948) p.173 ff. Frank W. Walbank, "Die Hellenistische Welt", DTV 1983 p. 205-6) - nicht einmal, wenn sie zu militärischen Zwecken eingesetzt worden sind. Die Iraner waren die erste Nation, die die Kavallerie eingeführt hat. Sie hatten Fußsoldaten, Wagen, Fluss- und Kriegsschiffe und Elefanten, die zum Einsatz kamen. In Ägypten haben die ptolmeaischen Könige regelmäßig Elefanten aus Somalia geholt. Strabo (16,4,5) berichtet von der Gründung verschiedener Städte in Afrika, die als Hauptaufgabe das Jagen von Elefanten gehabt haben. Deshalb ist der Bezug von Elefant zu Indien eher schwach fundiert, weil er auf viele Völker bezogen werden kann.

Die Schach-Figur, die hier als "Königin" bekannt ist, ist im Persischen als "farzi-n", was soviel wie "Wezir" heißt, bekannt. Daraus lässt sich das arabische "firzan" ableiten, was in den europäischen Sprachen dann die Formen "alfferza", "fers" etc. angenommen hat und später einfach mit "Königin" ersetzt worden ist. Möglich ist, dass diese Verwandlung in "Königin" durch die britische Herrschaft in Indien eingeführt worden ist - denn das indische Äquivalent zur "Königin" war "Rani".

Ferner kann für eine fundierte Annahme, Schach habe seinen Ursprung im Iran, festgehalten werden, dass die frühesten, soliden Beweise für das Schachspiel auf Iran zurückzuführen sind. Selbst heute noch bedeutet das Pahlavi-Wort "Chatrang" soviel wie "Alraune Pflanze", die eine Wurzel in Form einer menschlichen Figur hat. Das kann man etymologisch dahingehend interpretieren, dass jedes Spiel, das mit Figuren gespielt wurde, mit der "Chatrang"-Pflanze verglichen worden ist.


Die Einführung Schachs in Indien durch die Araber

Spiele auf dem "Ashtapada"-Brett mit 8x8 Feldern, Würfeln und mit zwei oder mehreren Spielern haben – wie oben erwähnt - eine Art "Proto-Schachspiel" dargestellt. Jedoch sei anzumerken, dass die zwei Typen der Spielarten von ihrer Natur und Philosophie her schon zu verschieden waren, als dass man daraus schließen könnte, dass es sich dabei um eine direkte Abstammung von "Chaturanga" zum persischen "Shatransh" handeln könnte. Arabische Schriftsteller haben mehr als einmal in ihren Schriften verlauten lassen, dass sie das Spiel "Shatransh" von den Iranern her haben, die das damals "Chatrang" genannt haben.

Dies ist mitten in einer politisch-kulturellen Revolution passiert, die man heute noch in historischen Texten nachlesen kann. Dabei handelte es sich um die Zeit, in der die Ummayyaden Dynastie nach heftigen Unruhen und einem Bürgerkrieg von einem so genannten Abul Abbas beendet worden ist. Durch ihn entstand eine neue Ära, in der ca. im Jahre 750 das islamische, politische Zentrum von Damaskus nach Bagdad (das früher zum iranischen Gebiet gehörte) verlegt worden ist. Die abbasidische Dynastie ist ethnisch und kulturell iranischen Ursprungs gewesen. Demnach sind iranische Einflüsse in der kulturellen Renaissance, die im arabischen Stamm durchlebt worden sind, dominant vorhanden gewesen.

Eine große Menge an damaligem Wissen vom klassischen Griechenland, Byzantium, dem frühen Ägypten, den Nah-Ost-Zivilisationen und vom "Land von Hind" (iranische Regionen) wurden gesammelt und ins Arabische übersetzt und sind in die neuere, "arabische" Wissenschaft eingeflossen, die dann ihren weiteren Weg nach Wesen gefolgt ist. Schach ist nur ein Teil von diesem Sammelsurium an Wissen gewesen, das noch aus vielen anderen Aspekten bestand, wie zum Beispiel aus früheren Errungenschaften in der Mathematik, Astronomie, Philosophie und Medizin.

Letztendlich ist folgendes, gewichtiges Argument schon ausreichend, um das Schachspiel auf Iran zurückzuführen: Während Schach in Bagdad schon im 9. Jahrhundert geblüht hat, sind die frühesten Erzählungen aus Indien vom Schachspiel erst auf das 11. Jahrhundert datiert.




© Sherry / INN
Quelle: The Circle Of Ancient Iranian Studies
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Veröffentlicht:
Dienstag, 18.03.2008 , 00:05 Uhr
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